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Täler: Gudbrandsdalen

In einem Land, in dem alter Granit und Schiefer und anderes hartes Gestein so kathedralenartig emporsteigt wie in Norwegen, schweift der Blick praktisch automatisch in die Höhe. Dabei ist sind die Klüfte, von unten und jeder Seite imposant, eigentlich eher schmückendes, im besten Fall vor Witterung schützendes Beiwerk.

Die Geschichten, das Leben und die Kultur entwickeln sich in den Tälern, hier ist Norwegen entstanden, hier finden sich, wenn die kalte Faust des Winters das Land in seinem Griff hält, die letzten geschützten Orte, hier ist der Boden fruchtbar und manchmal wird die Geschlossenheit und Abgeschiedenheit der Täler zur tödlichen Falle. Gudbrandsdalen ist so gewaltig, dass es kaum noch „ein Tal“ genannt werden kann. Mehr als 200 Kilometer lang wird es vom großen Fluss Gudbrandsdalslågen durchflossen, der sich mit anderen Flüssen vereint, um sich bei Lillehammer in den Mjøsa zu ergießen, den größten Binnensee des Landes.

In der großen, alten Saga der norwegischen Könige ist das Gudbrandsdalen bereits erwähnt worden. Der heilige (und dicke) König Olaf II, seine Mutter war Åsta Gudbrandsdatter, in dessen Andenken bereits seit 1.000 Jahren die Olafsmesse gefeiert wird, durchschritt das Gudbrandsdalen, während er nach Trondheim pilgerte, wo nach seinem Tod der Nidarosdom erbaut wurde, eines der wichtigsten Heiligtümer der mittelalterlichen, europäischen Christenheit.

Es gibt mehrere Routen, eine davon ist der Weg durch das wunderschöne Gudbrandsdalen. Mehr Täler: Berühmt ist auch das Numedal in der Fylke Buskerud im zentralen südlichen Norwegen. Es liegt bei Kongsberg am großen Numedalslågen mit seinen Holzflößen, Lachsen und Forellen, den Wasserfällen, Stromschnellen und dem fulminanten Ende im Skagerrak, also jenem Teil der Nordsee, der zwischen Norddänemark und Südnorwegen liegt.

Gudbrandsdalen

Gudbrandsdalen @iStockphoto/Ekely

Wer einmal sehen möchte, wie die Landschaft in dem Moment aussah, als die Gletscher der letzten Eiszeit gerade erst hinter der nächsten Talbiegung verschwunden waren, sollte keine Kosten scheuen, einmal ins Longyeardalen von Spitzbergen zu gelangen. Es gibt hier zaghaft hervorschauende Tundrengewächse, Permafrost, Geröll wie von Lawinen zusammengeschoben, plätscherndes Gletscherwasser – und ein paar verwegene Studenten der Spitzbergener Universität (UNIS – Universitetssenteret på Svalbard).

Forscher findet man auch im Adventdalen in der Nähe von Adventfjorden und Isfjorden, dem größten seiner Art auf Spitzbergen. Hier waren mal Abenteurer, Polarforscher und Waljäger stationiert („Advent“ steht ernsthaft für Adventure), heute werden von hier aus das Polarlicht und die Hochatmosphäre beobachtet.