Skip to main content

Norwegen in der Ferne

Als die europäischen Mächte die Südsee und Karibik unter sich aufteilten, muss man im norwegischen Königshaus gerade ein Nickerchen gehalten haben. Es gibt sie zwar, die überseeischen Ländereien, aber wenn man einmal schaut, wo sich überall Franzosen und Engländer tummeln und was dagegen für die norwegische Krone abgefallen ist, ist das schon wenig.

Svalbard, die Inselgruppe, zu der auch Spitzbergen gehört, ist natürlich ein Schatz. Allerdings haben sich die Norweger mit vielen anderen Staaten im Spitzbergenvertrag darauf verständigt, fair zu teilen. Nun haben sich die Russen natürlich ihren Teil genommen, Barentsburg und einige andere Bergbauörtchen gegründet, aber letztendlich haben die Norweger die Sache unter Kontrolle. Und die Fischereirechte um Spitzbergen herum sowieso.

Eigentlich Teil von Svalbard, aber deutlich südlicher, mitten in der Fisch- und Planktonreichen Barentssee, befindet sich die Bäreninsel. Sie gehört zu den zahlreichen Entdeckungen des Niederländers Willem Barents, der sein Leben ließ, dessen Kameraden aber zum Teil spektakulär heimfanden und von den Heldentaten ihres Chefs zu berichten wussten.

Mit 178 km² ist die Insel ein wenig kleiner als die deutsche Ostseeinsel Fehmarn, war lange Jagdgebiet von Trappern, Walfängern, Robben- und Walrossjägern, außerdem galten die Eier der hier brütenden Meeresvögel als schmackhafte Delikatesse. Das letzte deutsche Kaiserreich versuchte, zur Jahrhundertwende die Bäreninsel zu annektieren, es kam zu einem Streit mit den Russen, Zar und Kaiser (besonders der letzte deutsche Hobbykaiser verbrachte hier im hohen Norden derart viel Zeit, dass man sich in Berlin schon fragte, wer überhaupt mit dem Regieren beschäftigt ist) waren eng verwandt und ließen von der Insel ab. Eine Bergbaufirma übernahm das Eiland komplett, wurde vom norwegischen Staat geschluckt und damit kam die Bäreninsel in Besitz der Norweger. Heute leben noch Forscher in einer meteorologischen Station im Norden der Insel, die zu einem Naturschutzgebiet erklärt ist.

Svalbard

Svalbard @iStockphoto/Dag Sjöstrand

Wenn die Bäreninsel mit ihren Erhebungen, den Klippen und Wasserfällen schon spektakulär ist, ist das Jan Mayen allemal. 373 km² ist die Vulkaninsel groß und ist einfach ein Kunstwerk. Mal unheimlich düster, dann wieder einfach gigantisch liegen Gletscher majestätisch da, der Beerenberg ist mit seinen 2.277 Metern der nördlichste aktive Vulkan der Erde, und zwar in der See östlich von Grönland. Jan Mayen, nach einem niederländischen Walfänger benannt, war im 19. Jahrhundert Ziel zahlreicher Expeditionen, heute gibt es einen Flughafen und eine kleine Forschungsstation, deren Besatzungen regelmäßig ausgetauscht werden.

Wie groß Norwegen ist, erkennt erst, wer an den Südpol geht. Dort wird eine Fläche von 2.700.000 km² Dronning Maud Land genannt, ungefähr ein Siebtel der Antarktis wird von Norwegen beansprucht. Sollen sie ruhig weiter beanspruchen. Hinzu kommt (wir wollen nichts vergessen) die Peter I Øy, ein von Packeis überladenes Eiland einige hundert Kilometer vor der Antarktis und, unser absoluter Favorit: die Bouvetinsel.

Die galt lange Seefahrerjahre als Phantom. Hatte einer sie entdeckt, fuhr der zweite gleich vorbei. Sie ist klein, aber hoch, ein von Gletschern komplett bedeckter Vulkan, an dem kaum anzulanden ist – und das Risiko ist im Verhältnis zum Ertrag eindeutig zu hoch. Die genaue Kartierung allein war eine Schwierigkeit, deren Bewältigung bis ins späte 19. Jahrhundert dauerte, Inbesitznahme erfolgte eher über Zuruf. Die Insel liegt irgendwo im riesigen Seegebiet zwischen Kap Hoorn und Kap der guten Hoffnung, weit genug nördlich von der Antarktis, dass es nicht unter die entsprechenden Vertragsbedingungen fällt und die ersten Stationen, die man auf ihr baute, waren allesamt beim zweiten Besuch verschwunden.