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Geschichte Spitzbergens

Spitzbergen bzw. Svalbard (wie die gesamte Inselgruppe im Norwegischen heißt) hat eine Geschichte, die irgendwie zu Klima und Lage passt. Svalbard heißt „Kühle Küste“, einen „Kalten Rand“ haben Wikinger im ausgehenden 12. Jahrhundert eigenen Angaben zufolge im hohen arktischen Norden ausgemacht.

Dass es sich dabei um Spitzbergen handelte, ist höchst zweifelhaft, immerhin weiß man, dass im 15. Jahrhundert die aus Russland stammenden Pomoren hier jagten. Das wurde viele Jahrhunderte später bei der Frage nach der Staatszugehörigkeit der immerhin 61.022 km² großen Inselgruppe relevant. Die Pomoren, die aus religiösen Gründen verfolgt und gezwungen waren, auf arktische Jagdgebiete auszuweichen und die erst im aktuellen Jahrtausend als existierende Volksgruppe in Russland anerkannt wurden, dienten als Kronzeugen für den Besitzanspruch Russlands, ohne selbst mitzureden. Bis heute findet man Zeugnisse, beispielsweise Siedlungsreste jener Zeit.

Die offizielle Entdeckung Spitzbergens war die des Niederländers Willem Barentsz, nach dem auch die russische Polarstation Barentsburg auf Spitzbergen und natürlich die nähr- wie rohstoffreiche Barentssee benannt sind. Der Mann war auf dem Weg in den Osten, und zwar in den fernen, wollte seiner Krone den Triumph einer Geheimroute zum verwunschenen Reich Chinas verschaffen, den die Konkurrenz aus Südeuropa nicht kontrollierte und schrieb sich so in die europäischen Geschichtsbücher – was auch mit seinem dramatischen Ende im hohen Norden zusammenhängt.

Auf Barentsz folgten Jahrhunderte extensiven Walfanges. Die europäischen Walfangnationen plünderten das Seegebiet, jagten den heute geschützten Grönlandwal, auf Spitzbergen selbst wurden Siedlungen zur Verarbeitung des Fanges errichtet und wieder aufgegeben, als die Ausbeute niedriger wurde und der Schiffbau weit genug für eine direkte Verarbeitung des Fanges an Bord war.

Geschichte Spitzbergens

Geschichte Spitzbergens @iStockphoto/Davidovich_n

Norwegische Trapper, Pelzjäger, waren dann eine Weile die einzigen, die sich hier längere Zeit aufhielten, im 19. und 20. Jahrhundert folgten dann Abenteurer und Wissenschaftler, Kartografen, Meteorologen … Es wurden Forschungsstationen errichtet, es wurde Kohle gefunden, und zwar so reichlich, dass eine aufwändige Gewinnung lohnte.

Longyearbyen, die Hauptstadt Spitzbergens, geht auf eine 1906 gegründete Bergarbeitersiedlung zurück. Es gibt zahlreiche verlassene Siedlungen auf den Inseln, von zahlreichen Glücksrittern und extrem mutigen Männern errichtet, die aus ganz verschiedenen Ländern kamen und im frühen 20. Jahrhundert für diplomatische Scherereien sorgten. Das Land ist auch aufgrund des umliegenden Seegebietes sehr wertvoll und der Streit mündete im Spitzbergenvertrag, einer Vereinbarung, die Norwegen die Verantwortung für das Land zuspricht, aber allen Bürgern der Unterzeichnerstaaten erlaubt, gleichberechtigt wirtschaften zu dürfen.

Mehr als 40 Staaten sind dem Vertrag bis heute beigetreten, darunter auch Afghanistan, Südafrika, Neuseeland oder Argentinien. So kommt es, dass auf einer Insel den Kalten Krieg hindurch sowohl Sowjets als auch westliche Europäer lebten und arbeiteten, Barentsburg ist eine sowjetische Gründung von 1932, die Sowjets hatten den Platz von einer niederländischen Firma gekauft.

Inzwischen geht der Bergbau auf Spitzbergen merklich zurück, irgendwie gewinnt die Natur auf den Inseln Svalbard am Ende immer. Wer zu den wenigen Menschen gehört, die einmal nach Smeerenburg auf Amsterdamøya kommen, wo die Niederländer Ende des 17. Jahrhunderts das Walfangen Walfangen sein ließen oder nach Ny-London, wo ein Brite im frühen 20. Jahrhundert die ruinöse Idee hatte, Marmor abzubauen, der wird das bestätigen.

Im gar nicht mal so alten Pyramiden (das ist eine Bergbaustadt unter einem pyramidenförmigen Berg) auf Spitzbergen hatten die Sowjets sogar touristische Ambitionen und heute wird das wieder was. Aber nur das.